Stellen Sie sich vor: Sie kommen nach Hause, und die Schublade mit allen Familienalben ist leer. Kein Einbruch, kein Feuer – beim Umzug hat sie einfach jemand weggeworfen, weil es bequemer war. Genau das ist im März 2019 passiert, nur digital: MySpace gab bekannt, bei einer „Servermigration" seien sämtliche Fotos, Videos und Audiodateien der Jahre 2003 bis 2015 verloren gegangen. Laut Medienberichten rund 50 Millionen Songs von rund 14 Millionen Künstlern. Zwölf Jahre Musikgeschichte – weg. Nicht gestohlen, nicht verbrannt. Einfach: nicht wichtig genug, um sie mitzunehmen.
Ihre wertvollsten Dinge lagern im Lagerhaus eines Fremden – und der Fremde hat die Lust verloren. Das ist die Angst hinter dieser Geschichte, und sie ist berechtigt.
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Fast jeder hat ein Geheimnis. Fast niemand hat einen sicheren Ort dafür.
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Jetzt schützen — CAD 187 kanadische Dollar/JahrEs war kein Hackerangriff. Es war Gleichgültigkeit.
Halten wir die Fakten nüchtern fest. MySpace, einst das größte soziale Netzwerk der Welt, wurde 2011 an Specific Media verkauft – Justin Timberlake war als prominenter Miteigentümer dabei. Die Glanzzeit war vorbei, die Nutzer wanderten ab, und mit ihnen schwand das Interesse an der alten Infrastruktur. Als 2019 Server umzogen, ging der gesamte Bestand der Jahre 2003 bis 2015 verloren: alles, was Nutzer in zwölf Jahren hochgeladen hatten.
Das Bemerkenswerte: Niemand ist eingebrochen. Kein Erpressertrojaner, kein Brand im Rechenzentrum. Es war schlicht niemandem wichtig genug. In der Kostenrechnung eines Unternehmens steht Ihre Erinnerung nicht als Vermögen, sondern als Aufwand: Speicherplatz, Strom, Wartung. Und Aufwand wird gesenkt. Ihre Erinnerungen standen in der falschen Spalte der Bilanz.
Seneca schrieb vor zweitausend Jahren: Nicht wenig Zeit haben wir, sondern viel vergeuden wir. Mit unseren Erinnerungen ist es ähnlich: Nicht an Speicherplatz mangelt es, sondern an Sorgfalt bei der Frage, wem wir ihn anvertrauen. Unsere Konten sichern wir mit Zwei-Faktor-Authentifizierung – unsere Lebensgeschichte legen wir auf Plattformen, deren Geschäftsmodell wir nie gelesen haben.
Wir Deutschen kennen dieses Gefühl
MySpace war amerikanisch, aber die Erfahrung ist deutsch. Erinnern Sie sich an StudiVZ? Das „deutsche Facebook": 2005 in Berlin gegründet, auf dem Höhepunkt 2009 rund 6,2 Millionen Mitglieder – Pinnwandeinträge, Partybilder, das legendäre „Gruscheln". Dann kam Facebook, 2012 waren nur noch knapp 600.000 Nutzer übrig, 2017 meldete der Betreiber Insolvenz an, 2022 wurde die Plattform endgültig abgeschaltet.
Oder MyVideo, der deutsche YouTube-Konkurrent: 2006 gegründet, von ProSiebenSat.1 übernommen, 2011 noch über 200.000 Besucher am Tag – im April 2016 wurde der Videodienst nach zehn Jahren eingestellt.
Man sagt, das Internet vergesse nie. Das stimmt nicht. Das Internet vergisst sehr wohl – es löscht nur besonders gründlich das, was ihm nichts einbringt. Wer seine Jugend auf diesen Plattformen abgelegt hat, weiß: Die Umzugskartons standen nie in der eigenen Wohnung. Sie standen im Lager eines Unternehmens, das irgendwann keine Lust mehr hatte.
Bequemlichkeit ist keine Verwahrung
„Aber ich habe doch alles in der Cloud." Ja – und was genau haben Sie da gekauft? Bequemlichkeit. Nicht Verwahrung.
Cloud-Alben und Cloud-Speicher sind wunderbar, wenn es schnell gehen soll. Aber Ihr Vertrag dort heißt „Allgemeine Geschäftsbedingungen", und Ihr Ansprechpartner heißt „Support". Konten werden gesperrt, Tarife geändert, Dienste „strategisch neu ausgerichtet" – das ist kein Vorwurf, das ist das Geschäftsmodell. Sie sind dort kein Kunde mit Namen, Sie sind ein Datensatz.
Die externe Festplatte in der Schublade? Niemand prüft, ob sie noch anläuft. Das NAS im Keller ist großartig – bis zum Firmware-Update, bis zum Blitzschlag, bis zum Umzug. Das Bankschließfach, das deutsche Lieblingsversteck, kennt keine Klimagarantie für Datenträger; und im Erbfall bleibt es versiegelt, bis das Nachlassgericht fertig ist. Das Versteck zu Hause kennt Feuer, Wasser und den nächsten Umzug.
All das gibt Ihnen Bequemlichkeit. Keines davon gibt Ihnen einen Menschen, der dafür verantwortlich ist.
(Ob Daten verschlüsselt sind, offline lagern oder der Zugang auf mehrere Stellen verteilt ist – das ist das Fundament, nicht das Haus. Entscheidend ist, wer darüber wacht.)
Deutschland, die Archivnation
Hier wird es ironisch. Deutschland ist eine Archivnation. Pfarrarchive hüten Taufbücher, die dreihundert Jahre alt sind. Der Sportverein hat seine Protokolle im Ordner, die Eigentumswohnung ihren Aktenordner mit jeder Rechnung. Wir sind das Land, in dem selbst der Kleingartenverein eine Chronik führt.
Und unsere wertvollsten privaten Dinge – die ersten Fotos der Kinder, die unveröffentlichten Demos, die Aufzeichnungen, die noch niemand sehen soll – legen wir auf Server, deren Betreiber seit Jahren rote Zahlen schreibt. Das Geburtsregister Ihrer Urgroßmutter liegt auf Papier in einem Archiv mit Lesesaal und Signatur. Ihr erstes Demo liegt auf einer Bilanz, in der es als Kosten steht.
Hannah Arendt hat einmal unterschieden zwischen dem, was verbraucht wird, und dem, was Bestand hat – zwischen dem Verbrauchten und der Welt der dauerhaften Dinge. Unsere Erinnerungen gehören in die zweite Kategorie. Wir behandeln sie aber wie die erste: abgelegt, vergessen, abgeschrieben.
Ernst nehmen heißt: Jemand ist zuständig
Was heißt es eigentlich, etwas ordentlich aufzubewahren? Nicht: zu hoffen, dass ein Unternehmen dauerhaft Geld verdient. Hoffnung ist keine Verwahrstrategie.
Ernst nehmen heißt: Jemand ist zuständig. Ein Mensch mit Namen. Eine Nummer auf dem Datenträger. Ein Siegel, das alle sechs Monate angesehen und fotografiert wird – ohne Ihre Daten je zu berühren. Ein Protokoll, das festhält, was wann wo lag. Ein Vertrag, der sagt, wer wofür verantwortlich ist. Zwei Kopien an zwei getrennten Orten, damit ein einzelner Unfall nicht alles nimmt.
Das ist der Unterschied zwischen „hochgeladen" und „verwahrt". Das eine ist ein Vorgang, der Sekunden dauert. Das andere ist eine Verantwortung, die Jahre dauert.
Verwahren ist ein Verb
Am Ende ist es ganz einfach. Verwahren ist ein Verb, kein Substantiv. Es beschreibt eine Tätigkeit: nummerieren, versiegeln, prüfen, aufbewahren – ausgeführt von Menschen, deren Arbeit genau das ist.
MySpace hat zwölf Jahre Musik verloren, weil niemand zuständig war. Nicht, weil die Technik versagt hätte, sondern weil kein Mensch da war, dem es gehörte, aufzupassen. Die Frage ist nicht, ob Ihre Plattform noch Geld verdient. Die Frage ist: Wer passt auf, wenn sie es nicht mehr tut?
Everkeep bietet die Offline-Verwahrung für Festplatten, die Ihnen gehören und die Sie selbst verschlüsselt haben: Nummerierung, Versiegelung, fotografische Dokumentation, Einlagerung. Zwei Kopien, zwei getrennte Orte – wir schauen niemals hinein. 199 US-Dollar pro Jahr und Geräteslot.